



Als ich den Raum betrat, sah ich wie ein spindeldürrer Kahlkopf gerade eine Dose "Backed Beans" der Firma Heinz in den Wasserkocher entleerte und mein erscheinen mit dem lakonischen Kommentar "Backpacking is Filth!" würdigte. Es war etwa 13:00 Uhr und vermutlich der heißeste Tag den das neuseeländische Northland dieses Jahr erlebt hatte. Nachdem ich mich quer durch die Behäbigkeit in die der kleine Ort Kerikeri von einer Hitzeglocke gehüllt wurde zum Aranga Backpackers geschleppt hatte, bekam ich das wohl anstrengendste Zimmer, das ich bisher auf meiner Tour hatte. Eine Gruppe von Südamerikaner und Briten hatte diesen Raum zu ihrem inoffiziellen Gesellschaftsraum (Saufen, Kiffen und, naja, "Kochen") auserkoren und das sollte nun für die Nächste Woche nebenbei auch die Stellung meines Schlafzimmers einnehmen.
Kerikeri ist ein guter Ort für alle die Arbeit suchen und ich war auf der Suche nach Arbeit! Ich hatte nachdem ich von Auckland in Richtung Norden aufgebrochen war einige Tage in der wunderschönen Bay of Islands verbracht und in diesen touristischen Gefilden meine Reisekasse etwas überbeansprucht. Ich habe zuerst eine Woche auf einer "Organic Farm" gegen Unterkunft und Nahrung als so genannter WWOOFer (Willing Worker On Organic Farms) gearbeitet und bin dann in eine der landwirtschaftlichen Metropolen gefahren. Dort angekommen musste ich mich mit etwas Gewallt an die Lebensweise des frühen Aufstehen, acht Stunden arbeiten und dann das Bachpacker-Laissez-Faire bis in die Nachtstunden pflegen, anpassen. Mittlerweile bin ich aber in einem weitaus ruhigeren Zimmer abgestiegen und konnte mich wieder regenerieren. Das Leben aus dem Rucksack in manchmal ziemlich anstrengenden Unterbringungen, fällt mir nach drei Wochen immer leichter und ich genieße meine freie Zeit hier in vollen Zügen. Es ist wirklich ein Gefühl der völligen Freiheit in einem fernen Land, bloß mit einem Rucksack ausgerüstet und so ganz ohne "zu Hause" irgendwie immer mobil zu sein. Ich bin viel an den wunderschönen südpazifischen Stränden, mache Kajaktouren, wandere durch Vulkanlandschaften oder besuchen einen Wasserfall (es gibt hier wirklich unzählige davon). Heute war ich beispielsweise mit einigen Arbeits-/Backpackerkollegen an einem wunderschönen Surfstrand. Sehr angenehm!
Ansonsten arbeite ich fleißig. Bisher habe mich auf der "Organic Farm" um Tiere und Pfanzen gekümmert, bei der Heuernte die Strohballen auf einen Traktoranhänger geworfen, Kiwipflanzen entknotet und Avokandos am Fließband in Kisten gepackt. Ab nächster Woche ist dann aber wieder etwas Freizeit angesagt, dann mache ich mich auf die Suche nach den schönsten Wellen des Nordkaps.